Schauspiel am Himmel: der hellste Komet seit 23 Jahren


Komet Neowise mit seinem Schweif am Morgen des 10. Juli, fotografiert von Carolin Liefke (Haus der Astronomie, Heidelberg).

Sein Name lautet NEOWISE, genauergesagt C/2020 F3 (NEOWISE), nach der Raumsonde, die ihn am 27. März 2020 entdeckt hat. Nach einer Runde um die Sonne ist er nun am Morgenhimmel aufgetaucht und versetzt Hobbyastronomen weltweit in Verzücken. Doch das Beste kommt erst noch: in den nächsten Tagen wird der Komet auch am Abendhimmel zu sehen sein.

Kometen sind Schweifsterne, wenige Kilometer große Brocken aus dem All, die aus Geröll, Wasser und Staub bestehen. Kommt einer davon der Sonne zu nahe, wird er regelrecht aufgetaut. Dann bildet sich sein typischer Kometenschweif. Viele Kometen überleben diese Auftauzeit nicht, doch NEOWISE ist ein größeres Kaliber und strahlt daher mit seinem Schweif jetzt an unserem Himmel.

Durch einen glücklichen Zufall durchquerte der Komet das Feld der Raumsonde SOHO, die eigentlich dafür gedacht ist, die Sonne und deren Auswürfe zu beobachten. In nur wenigen Tagen stieg die Helligkeit von NEOWISE enorm an. Astronomen waren alarmiert: Wird der Komet seine Sonnennähe unbeschadet überstehen oder wie so viele vor ihm sich in seine Einzelteile auflösen?

Wenige Tage später herrschte Gewissheit: In der ersten Juliwoche zeigte sich NEOWISE in der Morgendämmerung und zieht seitdem die Blicke auf sich. Einen Kometen, den man ohne Fernglas oder Fernrohr sehen kann, wann gab es das schon einmal? Zum letzten Mal im Frühjahr 1997, als der berühmte Komet Hale-Bopp über den Himmel zog. Das ist 23 Jahre her.

Jetzt wird es spannend: NEOWISE fliegt durchs All und wird von uns aus gesehen am Abendhimmel auftauchen. Zunächst ganz knapp über dem Nordwesthorizont, dann immer höher. Man muss daher nicht mehr früh aufstehen, sondern lange wach bleiben, bis es draußen dunkel geworden ist. Um den Kometen zu erhaschen, sollte man einen freien Blick nach Norden haben (dabei hilft der Kompass im Handy).

Mit dem bloßen Auge sieht man einen mittelhellen, unscharfen Stern, der nach oben eine fahle Schleppe hinter sich herzieht – das ist der Kometenschweif. Im Fernglas wird dieser Schweif erheblich deutlicher. Der Kometenkern glänzt tief am Horizont goldfarben, sein Schweif verschmilzt in den Morgenstunden mit der aufziehenden Dämmerung.

Wer dieses himmlische Spektakel fotografieren möchte, darf auf die Automatik der Kamera vertrauen. Das geht mit jeder Brennweite, Teleobjektive mit 135 oder 200 mm sind für Closeups geeignet (dann aber nicht länger als 2-3 Sekunden belichten!). Für so lange Belichtungszeiten braucht man natürlich eine Ablage oder eine Fotostativ.

Wie wird es mit dem Kometen NEOWISE weiter gehen? Das weiß niemand, daher beobachten und fotografieren die Astronomen, wann immer es möglich ist. Zu Ende Juli wird er wohl verblassen, daher ist jetzt die beste Zeit, um dieses einmalige Schauspiel am Himmel mit eigenen Augen zu sehen.

Abbildungen von oben nach unten:

1. Komet Neowise mit seinem Schweif am Morgen des 10. Juli, fotografiert von Carolin Liefke (Haus der Astronomie, Heidelberg).

2. Aufsuchkarte für den Kometen NEOWISE am Abendhimmel.

3. Der Schweifstern ist so hell, dass man ihn mitten in einer Großstadt sieht, hier am Morgen des 10. Juli in Stuttgart von Sven Melchert.

4. Im Fernglas ist der Kometenschweif besonders gut zu erkennen. Foto von Rolando Dölling am Morgen des 9. Juli nahe der Burg Hohenzollern.

Weitere Bilder und Beobachtungsberichte finden sich im VdS-Forum.