Abstimmung über Exoplaneten-Namen: Planet Neri umkreist Stern Mago


Die deutsche Öffentlichkeit durfte einem Exoplaneten und seinem Stern einen Namen geben. Bis zum 20. September hatten wir Vorschläge gesammelt. Ab Mitte Oktober bis Mitte November durften alle Menschen, die in Deutschland wohnen oder eine deutsche Schule im Ausland besuchen, über fünf der Vorschläge online abstimmen. Planet und Stern tragen bislang lediglich eine Katalognummer: HD 32518 ist der Stern, HD 32518b ist der Planet.

Dass Exoplaneten, also Planeten, die einen anderen Stern umkreisen als die Sonne, einen echten Namen erhalten, ist äußerst selten. Bislang gab es erst eine entsprechende Aktion, im Jahre 2015. Ein Namensvorschlag aus Deutschland wurde damals nicht ausgewählt. Dieses Jahr hatte Deutschland einen „eigenen“ Planeten, den wir benennen durften.

Anlass der Aktion ist das hundertjährige Bestehen der Internationalen Astronomischen Union als weltweite Organisation der professionellen Astronomen. Dazu wurde weltweit in mehr als 110 Ländern über die Benennung je eines Exoplaneten-Systems abgestimmt. Insgesamt gingen dabei 360.000 Namensvorschläge ein, und 420.000 Menschen gaben eine Stimme für eine der zur Abstimmung stehenden Namenskombinationen (Stern und Planet) ab. Der Stern war jeweils so gewählt, dass er von dem entsprechenden Land aus bereits mit einem kleinen Teleskop sichtbar ist.

Der Planet HD 32518 b ist ein Riesen-Jupiter mit rund der dreifachen Jupiter-Masse. Er wurde 2009 von Michaela Döllinger (damals bei der ESO), Artie Hatzes (Landessternwarte Tautenburg [LST]), Luca Pasquini (ESO), Eike Guenther (LST) und Michael Hartmann (LST) mit der sogenannten Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt. Der Stern mit der Katalognummer HD 32518 ist ein roter Riesenstern im nördlichen Sternbild Giraffe.

Das Sternbild Giraffe inspirierte eine ganze Reihe der Schüler*innen, Kindergartenkinder und Amateurastronom*innen, die Vorschläge einreichten. Dazu gehörte auch der Physikkurs der Kursstufe von Dr. Inge Thiering am Max-Born-Gynasium Neckargemünd, deren Vorschlag unter die letzten fünf kam und jetzt mit 3414 von 8720 abgegebenen Stimmen als klarer Sieger aus der Online-Abstimmung hervorging: Mago ist der Name eines äthiopischen Nationalparks, der insbesondere auch dem Schutz von Giraffen dient, und Neri ist ein Fluss in eben jenem Nationalpark. Sollten um Mago noch weitere Planeten entdeckt werden, könnten sie die Namen von weiteren Flüssen der direkten Umgebung erhalten.

Wie verliefen Auswahl und Abstimmung?

Schulklassen, Kindergartengruppen und Amateurastronomische Vereinigungen waren ab dem 7. Juni 2019 aufgerufen, Namensvorschläge einzureichen. Bis zum Einsendeschluss am 20. September 2019 waren 264 Namensvorschläge eingegangen.

Diese Vorschläge hatte sich eine Kommission, bestehend aus

  • Dr. Michaela Döllinger (Landessternwarte Tautenburg, Mit-Entdeckerin des Planeten)
  • Prof. Dr. Thomas Henning (Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg)
  • Dr. Carolin Liefke (VdS)
  • Dr. Markus Pössel (National Outreach Coordinator für Deutschland der IAU)
  • Dr. Ruth Titz-Weider (DLR, Institut für Planetenforschung, Berlin)
  • Prof. Dr. Joachim Wambsganß (Präsident der Astronomischen Gesellschaft)

näher angesehen. Eine Reihe der Vorschläge konnten leider von vornherein nicht weiter berücksichtigt werden ­– sie verstießen gegen die Regeln für die Namen für Planeten und Sterne [siehe http://www.nameexoworlds.iau.org/naming-rules], die wir auf unserer Webseite auch in deutscher Kurzform zugänglich gemacht hatten, oder sie stammten nicht aus dem Kreis der Vorschlagsberechtigten. Die Auswahl der letzten fünf Namen, über die dann abgestimmt wurde, war der Kommission nicht leicht gefallen, denn es waren eine ganze Reihe fantasievoller und schöner Namen dabei.

Bei der Online-Abstimmung vom 15. Oktober bis zum 14. November entfielen auf die fünf verbleibenden Vorschläge die folgenden Stimmenzahlen:

Reticulata/Peralta: 1348
Neri/Mago: 3414
Rosenrot/Schneeweißchen: 2140
Pioneer/Voyager: 1083
Gulliver/Brobgingnag: 735
Insgesamt: 8720

Was ist das für ein Stern? Was ist das für ein Planet?

HD 32518 b, der jetzt Neri heißen wird, ist ein Exoplanet, also ein Planet, der einen anderen Stern als die Sonne umkreist, nämlich den Stern HD 32518, der jetzt Mago heißen wird. (Die numerischen Bezeichnungen sind astronomische Katalognummern. HD steht für den US-amerikanischen Henry-Draper-Katalog aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.)

Der Planet HD 32518 b ist ein Riesen-Jupiter mit rund der dreifachen Jupiter-Masse. Er umkreist seinen Stern alle 157,5 Tage. Der Planet wurde 2009 von Michaela Döllinger (damals bei der ESO), Artie Hatzes (Landessternwarte Tautenburg [LST]), Luca Pasquini (ESO), Eike Guenther (LST) und Michael Hartmann (LST) mit der sogenannten Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt.

Der Stern mit der Katalognummer HD 32518 ist ein roter Riesenstern im nördlichen Sternbild Giraffe. Er hat ungefähr dieselbe Masse, aber einen zehn Mal größeren Durchmesser wie die Sonne. Das unscheinbare Sternbild Giraffe (Kamelopard) liegt in der Nähe des Polarsterns. HD 32518 ist mit dem Fernglas, für sehr geübte Beobachter unter besten Bedingungen auch mit bloßem Auge sichtbar.

Das IAU100-Jubiläum

In diesem Jahr feiert die Internationale Astronomische Union (IAU), die weltweite Vereinigung der professionellen Astronomen, unter dem Motto „100 Jahre unter einem Himmel“ ihr hundertjähriges Bestehen (siehe die deutsche und die internationale IAU100-Webseite).

Die IAU fördert Forschung, Bildung und Wissenschaft im Bereich der Astronomie, insbesondere durch die Ausrichtung wissenschaftlicher Konferenzen. Die IAU ist außerdem für die offizielle Namensgebung von Himmelsobjekten zuständig.

Als eines von vielen Projekten zum IAU100-Jubiläumsjahr durften zahlreiche Länder in diesem Jahr je einen Exoplaneten und den Stern benennen, den dieser Planet umkreist. Die deutsche Öffentlichkeit durfte den Stern HD 32518 und seinen Planeten HD 32518b im nördlichen Sternbild Giraffe benennen. Insgesamt haben sich während des Jubiläumsjahres Millionen von Menschen in 140 Ländern an rund 5000 verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen beteiligt.

Partner der Aktion

Die Exoplaneten-Benennung findet im Rahmen der weltweiten Aktion NameExoWorlds der Internationalen Astronomischen Union statt. Die Internationale Astronomische Union (IAU) ist der Zusammenschluss von mehr als 13.500 professionellen Astronominnen und Astronomen aus mehr als 100 Ländern in aller Welt. Sie sieht es als ihre Aufgabe, durch internationale Zusammenarbeit alle Aspekte der Astronomie zu fördern und zu bewahren, von Forschung und Kommunikation bis hin zu Bildung und Entwicklung. Die IAU ist außerdem die international anerkannte Organisation, die für die Benennung von Himmelskörpern und deren Oberflächenmerkmalen verantwortlich ist. Sie wurde 1919 gegründet und ist der weltweit größte Berufsverband für Astronominnen und Astronomen.

Kooperationspartner von NameExoWorlds in Deutschland sind das Haus der Astronomie, das Max-Planck-Institut für Astronomie und das Schwerpunktprogramm SPP-1992 „Exoplanet Diversity“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).