VdS-Medaille 2011 an Peter Riepe

Wegen einer Erkrankung konnte Peter Riepe der Preis erst im November auf der BoHeTa überreicht werden. Er besteht aus einem Geldbetrag, einem praktischen Gegenstand mit astronomischem Zweck und einer Urkunde.

Laudatio für den Preisträger des Jahres 2011, gehalten anlässlich der Preisverleihung auf der Mitgliederversammlung der VdS in Bad Dürrheim am 10. September 2011:

Auf Vorschlag der Unterzeichneten hat der Vorstand der Vereinigung der Sternfreunde e.V. auf seiner Sitzung am 16. Juli 2011 beschlossen, mit dem „Deutschen Astronomiepreis 2011“ einen verdienten Amateur-Astronomen auszuzeichnen: Herrn Peter Riepe aus Bochum.

Bereits Mitte der 60er Jahre war Peter Riepe an der damaligen Volkssternwarte Bochum aktiv und betrieb von dort aus der Stadt heraus Astrofotografie mit zur damaligen Zeit beachtlichen Ergebnissen auf Farbdiafilm. Zuvor beobachtete er wie viele Einsteiger auch mit seinem Auszugfernrohr, einem 60-mm-Refraktor, den Sternenhimmel. Sein revolutionäres Projekt des Baus eines Spektrographen für Amateure zusammen mit einem anderen Sternfreund Anfang der 1970er Jahre zerschlug sich durch einen Unfall. Dazu wurde die Deep-Sky-Fotografie aus der Stadt heraus durch die zunehmende Lichtverschmutzung bald unmöglich, Peter Riepe wurde „Exkursionist“ – zur nächtlichen Beobachtung und Fotografie verließ er das Ruhrgebiet zunächst in Richtung Hochsauerland.

Mit der Vereinigung der Sternfreunde liebäugelte Peter Riepe schon lange, besuchte die VdS-Tagungen und die Würzburger Frühjahrstagungen. Im Jahr 1974 trat er der VdS bei und erhielt die Mitgliedsnummer 2384. 1976 tat er sich anlässlich der Beobachtung des Kometen West mit anderen Sternfreunden zusammen, so entstand die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Bochum (AABO). Im Jahr 1980 gründete er mit seinen Freunden zusammen die Bochumer Herbsttagung der Amateur-Astronomen, kurz BoHeTa, die vom ersten Jahr an ein beliebter Treffpunkt für Sternfreunde war, die sich persönlich kennen lernen und austauschen wollten. Ausdrücklich wurde auch Sternfreunden im Anfängerstadium die Gelegenheit geboten, über ihre Arbeit zu berichten. Im Jahr 2011 veranstaltete Peter Riepe diese bedeutende Tagung zum 30. Mal.

Auf Initiative von Rainer Beck, Mitglied des VdS-Vorstands, wurde 1982 die „VdS-Fachgruppe Astrofotografie“ ins Leben gerufen. Sie umfasste zu dieser Zeit nur wenige Sternfreunde, die bewusst großräumig über Deutschland verteilt waren: in Berlin, München und – Bochum, mit Peter Riepe dabei. Als die Zusammenarbeit zwischen VdS und der Redaktion der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ intensiviert wurde, war Peter Riepe derjenige, der die neue Publikationsmöglichkeit von Beginn an höchst intensiv nutzte und somit der VdS ein Forum schuf, auf das sie nicht mehr verzichten konnte. Letztendlich führte dies mit zur Gründung unserer Mitgliederzeitschrift, als Sterne und Weltraum später nicht mehr für Vereinszwecke zur Verfügung stand.

Peter Riepe richtete 1987 die 18. VdS-Tagung im Auditorum Maximum der Ruhr-Universität Bochum in Verbindung mit einer Astro-Messe aus und wurde von 1987 bis 1995 von der Mitgliederversammlung als „Vorstandsmitglied ohne Amt“ gewählt. In diesen Jahren hat Peter Riepe die Richtung der Arbeit des VdS-Vorstands wesentlich beeinflusst – die Öffentlichkeitsarbeit wurde merklich intensiviert, verkrustete Strukturen begannen aufzubrechen. Ebenfalls 1987 übernahm Peter Riepe die Leitung der Fachgruppe Astrofotografie, sie ist seither eine der lebhaftesten Fachgruppen der VdS überhaupt.

Peter Riepe lädt zum „Tag der Astrofotografen“ in der Volkssternwarte Recklinghausen ein, wo sich Sternfreunde astrofotografisch in Workshops weiterbilden, sich kennenlernen oder einfach nur schöne Bilder zeigen können. Peter Riepe ist ein starker Teamplayer: Zusammen mit der „Fachgruppe Visuelle Deep-Sky-Beobachtung“ richtet er das jährliche Deep-Sky-Treffen (DST) in Bebra aus, bei dem sich übergreifend Fotografen und visuell beobachtende Sternfreunde austauschen und gegenseitig über den Tellerrand schauen. So verwundert es nicht, dass Peter Riepe gemeinschaftliche Beobachtungsprojekte innerhalb der Fachgruppe Astrofotografie und fachgruppenübergreifend initiiert. Besonders angetan haben es ihm die „Zwerggalaxien“, eine sonst von Amateur-Astronomen eher stiefmütterlich behandelte Spezies.

Peter Riepe ist als wahrer „Botschafter“ für unsere Vereinigung unterwegs, er baut nachhaltig persönliche Kontakte zu Sternfreunden in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland auf, vor allem in Österreich, Belgien und den Niederlanden, animiert diese zur Mitarbeit, wodurch zahlreiche Sternfreunde als neue Mitglieder zu uns gestoßen sind. Der Initiator und Gestalter des bekannten des „Astrofotos der Woche“ auf dem Internet-Forum „astronomie.de“ ist einmal mehr Peter Riepe, mittlerweile unterstützt durch mehrere andere Sternfreunde. Durch den „Motor“ Astrofoto der Woche stoßen viele neue Sternfreunde als Mitglieder zu uns.

Seit Erscheinen des VdS-Journals für Astronomie ist Peter Riepe einer der fleißigsten Autoren in unserer Mitgliederzeitschrift. Er übernahm von Anfang an die Rolle des Fachgruppenredakteurs, der es versteht, stets neue Beiträge von Sternfreunden zu akquirieren und publikationsreif zu redigieren. Peter Riepe trägt seit jeher intensiv dazu bei, dass das fachliche und sprachliche Niveau im VdS-Journal sich am oberen Ende bewegt und unser Mitgliederforum somit im In- und Ausland als eine der besten Astronomie-Zeitschriften überhaupt gilt. Dabei unterstützt und fördert unser Preisträger stets auch Anfänger in der Astronomie durch Rat und Tat, durch Berichte für Einsteiger in „Sterne und Weltraum“ und im „VdS-Journal für Astronomie“. Als Berater macht er auch Einsteigern Mut, sich an eine Veröffentlichung im VdS-Journal zu „wagen“.

Dass Peter Riepe zusammen mit anderen Sternfreunden eine Sternwarte gebaut hat, die regelmäßige Führungen für die Öffentlichkeit an einem Teleskop der 1-Meter-Klasse, einem der größten Teleskope in Deutschland, anbietet, schließt den Kreis zu dem Punkt, an dem alles begonnen hat – an der kleinen Volkssternwarte in Bochum vor über 40 Jahren.

Peter Riepe ist einer der wesentlichsten Treiber für die Astronomie im deutschsprachigen Raum, er treibt unser Hobby weiter nach vorne, und ist damit auch ein Garant dafür, dass die VdS ihren Satzungsauftrag der astronomischen Volksbildung und Förderung der Amateur-Astronomie erfüllen kann.

Die Verleihung des Deutschen Astronomiepreises an ihn ist längst überfällig und einem großartigen Vertreter der Amateur-Astronomie würdig.

Es ist uns eine Ehre!
Werner E. Celnik, Bernd Koch und Rainer Sparenberg