Virtuelle Observatorien

Mit Hilfe von virtuellen Observatorien wird in der Profiastronomie gegenwärtig versucht, eine Plattform für Beobachtungsdaten zu schaffen. Der Gedanke ist, die heterogenen Bestände an Meßdaten (Zielobjekte, Wellenlängenbereiche, Datenumfang und -formate) aller an den großen Sternwarten getätigten Beobachtungen zu archivieren und sie über eine einheitliche Schnittstelle bzw. Oberfläche den Astronomen zugänglich zu machen.

Der Vorteil einer solchen Plattform liegt auf der Hand: astronomische Arbeitsgruppen werden in die Lage versetzt, vieler ihrer Forschungsvorhaben unter teilweiser oder sogar ausschließlicher Verwendung bereits aufgenommener Datenbestände durchzuführen. Unter diesen Umständen entfällt die Beantragung der notorisch knappen Beobachtungszeit an den Großteleskopen. Ferner besteht die Möglichkeit, Forschungsprojekte an gegebenen Datenbeständen auszurichten. Aus der Perspektive der Sternwarten ergibt sich eine Effizienzsteigerung der Gerätschaften.

Manche virtuelle Observatorien verfolgen weitergehende Ansätze. Das German Astrophysical Virtual Observatory z.B. überdeckt auch Dokumentationen, Artikel, Softwaretools (Datenanalyse) oder Rechenleistung (Grid Computing)

Derzeit werden virtuelle Observatorien auf nationaler oder multinationaler Ebene eingerichtet oder bereits betrieben (z.B. das German Astrophysical Virtual Observatory, das UK Virtual Observatory Astrogrid oder das US National Virtual Observatory). Es gibt jedoch Bestrebungen, die Aktivitäten auf internationaler Ebene zu bündeln (International Virtual Observatory Alliance) und eine einheitliche Plattform zu schaffen.