Die Kordylewskischen Staubmonde

 

Im Jahre 1906 wurde von Max Wolf mit Achilles der erste Trojaner-Asteroid entdeckt. Als Trojaner werden Asteroiden bezeichnet, die ungefähr die gleiche Entfernung zur Sonne wie der Jupiter besitzen und den Planeten in einem Winkel von ca. 60° vorauseilen bzw. nachfolgen. Sie umkreisen gewissermaßen die Lagrange-Punkte L4 und L5 des Jupiter auf schleifenförmigen Bahnen.

Seit dieser Entdeckung steht die Möglichkeit im Raum, daß auch das System Erde-Mond in seinen Lagrange-Punkten solche Himmelskörper beherbergen könnte - insbesondere seit dem auch Himmelskörper im Einzugsbereich der stabilen Lagrange-Punkten des Mars und Neptun aufgefunden wurden. Solche Himmelskörper wären als weitere Monde unserer Erde anzusehen.

Himmelsmechanisch ist diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Trojanerobjekte sind nämlich genau dann möglich, wenn die Masse des zweiten Körpers ~4 % von der des Hauptkörpers nicht übersteigt, was beim Erdmond mit seinen 2% der Erdmasse sicherlich gegeben ist.

Bislang wurden keine derartigen Asteroiden entdeckt. Der polnische Astronom Kazimierz Kordylewski beobachtete jedoch im Jahre 1956 sowohl visuell als auch später photographisch ausgedehnte Staubwolken mit nur geringer Abweichung von den rechnerischen Positionen. Dem Entdecker zu Ehren werden sie auch als Kordylewskische Staubmonde bezeichnet.

Die Existenz dieser Staubwolken gilt in der Fachwelt jedoch als nicht gesichert. Es gab beispielsweise eine Raumsonde, die in den fraglichen Bereichen keine signifikant erhöhte Teilchendichte maß. Neben Fehlbeobachtungen könnte das Phänomen aber auch temporärer Natur sein, da die Gravitation der Sonne die Langzeitstabilität der Lagrange-Punkte beeinträchtigt oder gar aufhebt. Es liegen nur sehr wenige Beobachtungsberichte (s. Wikipedia) vor, worin sie als extrem lichtschwache und zudem großflächige Objekte (ca. 2° bis 6° Winkeldurchmesser) beschrieben werden. Ihre Flächenhelligkeit wurde in etwa gleich der Flächenhelligkeit der schwachen Lichtbrücke zwischen Zodiakallicht und Gegenschein geschätzt. Schon allein den Gegenschein von einem ländlichen mitteleuropäischen Standort aus auszumachen erfordert sehr gute Bedingungen (und natürlich eine Vorstellung davon, worauf man dabei zu achten hat!).

Beobachten

Wenn man die Gelegenheit bekommt, kann man sich an eine Beobachtung dieses Phänomen versuchen. Hierbei kann man sich an ein paar Tips halten:

  • Aufgrund der Steilheit der Ekliptik sind äquatornahe Beobachtungsstandorte erheblich vielversprechender. Kordylewski selbst beobachtete jedoch von einem Observatorium in der Hohen Tatra (Grenzgebirge zwischen Polen und der Slowakei), also sollte auch im Hochgebirge etwas gehen..
  • Die Bahn des Erdmonds ist um etwa 5° gegen die Ekliptik geneigt. Für Beobachtungen sollten Nächte ausgewählt werden, in denen die theoretische Position eine maximale Elevation gegen die Ekliptik mit ihrem wesentlich helleren Zodiakallicht einnimmt.
  • Aufgrund des störenden Zodiakallichts sollte der Beobachtungszeitpunkt idealerweise auf einen Tag gelegt werden, an dem die zu beobachtende Staubwolke sich auf Höhe der Lichtbrücke zwischen Gegenschein und Zodiakallicht als lichtschwächstem Teil des Zodiakallichts befindet. Aufgrund des Winkelabstandes zum Mond von 60° ist dies etwa vier bis fünf Tage vor bzw. nach Vollmond der Fall (der Winkelabstand beeinträchtigt zudem die Beobachtung wegen der begrenzten Horizonthöhe der Staubwolken).
  • Die berechnete Wolkenposition sollte nicht in der Milchstraße zu liegen kommen.
  • Natürlich sollte man dafür sorgen, daß sowohl die Sonne als auch der Mond sich hinreichend tief unter dem Horizont befinden.
  • Die Beobachtung sollte in der Folgenacht verifiziert werden, wenn sich der Staubmond entsprechend der Mondbewegung verschoben hat.

Alles in allem führen diese Randbedingungen zu recht kleinen Zeitfenstern für die Bestätigung oder Falsifizierung dieser mehr als rätselhaften Objekte!