BOINC

Ich möchte in diesem Fachgruppenzirkular das Projekt BOINC kurz vorstellen.

Was ist verteiltes Rechnen?

Beim verteilten Rechnen wird eine äußerst rechenintensive Simulation oder Datenauswertung auf eine Vielzahl von Rechnern (z.B. handelsübliche PCs mit Internetverbindung) verteilt. Dies kommt vor allen jenen rechenintensiven Forschungsprojekten entgegen, die nicht über eigene Sach- und Geldmittel für Superrechner oder Cluster verfügen. Das bekannteste Projekt dürfte wohl SETI@home sein.

BOINC

BOINC ist eine einheitliche Plattform für verteiltes Rechnen. Der Gedanke ist, die zugrunde liegende Softwarearchitektur für mehrere Projekte wiederzuverwenden und so die Forschungsgruppen von der Aufgabe zu entlasten, eigene Software zur Administration des verteilten Rechnens erstellen und zu warten. In einem Forschungsprojekt muß dann lediglich die Anbindung der Simulation/Berechnung an das BOINC-Framework programmiert werden.

Ein weiterer Vorteil ist, daß die BOINC-Plattform eine Vielzahl von Themen und Projekte gleichzeitig bedienen kann (s. Liste), die sich nicht nur auf Astronomie und Astrophysik beschränken.

Wie funktioniert verteiltes Rechnen?

Beim verteilten Rechnen wird die Idle-Zeit, in der der Prozessor des PCs weitgehend untätig ist (z.B. wenn auf die Eingaben des Benutzers gewartet wird) für die Durchführung der Berechnung genutzt. Zu Beginn lädt sich der Benutzer die Client-Anwendung herunter und installiert sie lokal. Der Client wird hernach bei jedem Hochfahren gestartet und verbindet sich in bestimmten Zeitabständen über das Internet mit dem Server, um Rohdaten zu empfangen und Auswertungen zu senden.

Eigene Erfahrungen

Bei mir läuft BOINC seit mehr als einem Jahr auf dem heimischen PC. Ich habe mich für das Projekt Einstein@home angemeldet, welches in den umfangreichen Meßwerten der Gravitationswellendetektoren GEO600 und LIGO nach Signalen schnell rotierender, extrem dichter Sterne sucht.

Beim Öffnen des Taskmanagers sieht man, daß die CPU-Last fast durchgängig bei 100 % liegt. Dennoch behindert mich der Hintergrundprozeß nicht beim Arbeiten - Programme werden klaglos gestartet und in unverminderter Geschwindigkeit ausgeführt (da bin ich als Softwareentwickler vom Microsoft Visual Studio, welches den Rechner beim compilieren bis zu einigen Minuten lahmlegt, durchaus anderes gewohnt). Lediglich beim Herunterfahren bekomme ich ganz kurz eine Meldung angezeigt, die aber nicht zu beachten ist.