The Sky 6.0

TheSky 6 bietet bei der Kartendarstellung praktisch alle Funktionen, die man von einem praxisgerechten und vollwertigen Programm erwarten darf. Positiv hervorzuheben sind die zahlreichen und feinfühligen Einstellmöglichkeiten. Sie werden übersichtlich in Form eines nach Objekttypen und –katalogen gegliederten Baums (dem „Display Explorer“) dargestellt. Besonders hervorzuheben ist, dass sich die Anzeige der vielen Objektinformationen über den Display Explorer sehr detailliert beeinflussen lässt. So können nicht nur Bezeichnungen von Objekten, sondern auch Koordinaten oder physikalische Eigenschaften wie Gesamt- oder Flächenhelligkeit in der Karte aufgetragen werden.

Die Steuerung der Grenzgröße von Sternen und nichtstellaren Objekten in Abhängigkeit vom Gesichtsfeld erfolgt automatisch, aber leider ist sie nicht anpassbar. Verändert man den Kartenmaßstab, so zeigt der virtuelle Himmel oft zu viele oder zu wenige Objekte. Auch ist die aktuelle Grenzgröße für Sterne oder nicht stellare Objekte nicht kollektiv einzustellen, sondern individuell je nach Objekttyp. So flexibel dies für das Feintuning auch sein mag, so umständlich erscheint es andererseits oft. Manchmal ist eben weniger mehr!

In der Version 6 kann man nun zusätzlich zum traditionellen Stil der Kartendarstellung einen realitätsnahen Modus wählen. Hier können auf Wunsch fotografische Horizontpanoramen, horizontnaher Dunst, die Milchstraße und Lichthalos um Sonne und Mond dargestellt werden.

Die normale Bildschirmdarstellung („Virtual Sky“) lässt sich nicht wie am Bildschirm dargestellt ausdrucken. Für den Ausdruck (und die Druckvorschau) benutzt TheSky den „Chart Mode“, der vollständig vektorbasiert arbeitet. Damit gelingen selbst großformatige Ausdrucke ohne sichtbares Pixelraster. Für ein zufriedenstellendes Druckergebnis gilt es zunächst, die „richtigen“ Einstellungen zu finden, weil die Werkseinstellungen teilweise  etwas unglücklich getroffen sind. Verzichtet man auf die Darstellung der Sterne gemäß Spektraltyp und passt die Sterndichte und Scheibchengröße so an, wie es gedruckten Karten nahe kommt, dann erhält man einen sehr hochwertigen Ausdruck.

Die Möglichkeiten zur Beeinflussung des Kartenbildes sind vielfältig und flexibel. Sie reichen von der Auswahl einzelner Kartenebenen (mit ihren spezifischen Informationen) bis zur Benutzung individuell erstellter Kartensymbole! Durch den Kartenexport im WMF-Format ist bei Bedarf die Nachbearbeitung der Karten mit einem Vektorgrafikprogramm (z.B. Corel Draw) möglich. TheSky hat daher auch die Kartengrundlagen für einige Druckerzeugnisse geliefert.

In den „Virtual Sky“ sind zahlreiche Aufnahmen von Himmelsobjekten oft nahtlos integriert, während sie in anderen Programmen oft wie „hineingeklatscht“ aussehen. Wer über den (inzwischen vergriffenen) CD-Satz „The RealSky“ oder die DSS-Ausgabe auf 102 CD-ROMs verfügt, kann ein flächendeckendes Hintergrundfoto in die Karten einblenden lassen. Die „Image Link“ Technik von TheSky bringt die Rastergrafiken durch Mustererkennung schnell und genau mit den Vektorgrafikdaten zur Deckung.

Der „Real Mode“ wurde wohl auch in Hinblick auf den didaktischen Einsatz entwickelt. Wer mit der Software selbst Planetarium spielen will, profitiert von der „Teacher’s Console“, einem einfachen Bedienpult zur Steuerung der wichtigsten Funktionen. Manche Notebooks bieten die Möglichkeit, zusätzlich zum eingebauten Display das Bildsignal einer weiteren Windows-Arbeitsfläche über den Monitoranschluss auszugeben. Mit einer solchen Konfiguration und einem Beamer erscheint dann der Himmel in der Wandprojektion und die Teacher’s Console auf dem Bildschirm des Notebooks. Die Zuschauer werden nicht durch die Programmbedienung abgelenkt. Das gute Konzept der Bedienkonsole sollte aber vom Hersteller noch durch weitere Steuerungsmöglichkeiten ausgebaut werden.

Der Umfang der in der Professional Version mitgelieferten Sterndaten geht etwa eine Größenklasse über den GSC hinaus, weil ein Auszug des USNO B Katalogs mitgeliefert wird. Damit werden tiefe Karten auch ohne Internetzugang möglich. Auch der Umfang der Deep Sky Daten ist sehr groß, jedoch könnten statt der vielen schwachen PGC-Galaxien noch einige interessantere Kataloge dabei sein. Das Programm erlaubt, eigene Datensätze zu importieren.

Beim Thema „Objektdaten“ bietet TheSky nicht nur die ausführliche Anzeige nach dem Anklicken eines Objektes, sondern mit dem „Data Wizard“ ein mächtiges und bisher einzigartiges Werkzeug zur Abfrage seiner Datenbanken. Man definiert damit Art und Umfang einer Abfrage, wobei nicht nur statische Daten einbezogen werden können, sondern auch berechnete Werte (wie z.B. Ephemeridengrößen von Kleinplaneten oder Kometen)! Damit lassen sich Aufgaben lösen, vor denen die meisten anderen Programme passen müssen.

Sternfreunde fragen gelegentlich nach einer Software, die „alles“ kann. TheSky kommt von allen dem Rezensenten bekannten Programmen diesem Ziel am nächsten. Wer des Englischen ausreichend kundig ist (denn von Version 6 gibt es keine deutschsprachige Version), der erhält für den Kaufpreis ein Füllhorn an praxisgerechter und mächtiger Funktionalität. Wem die Professional Version zuviel an Funktionen bietet oder zu teuer ist, der kann auf die einfacher ausgestatteten Varianten zurückgreifen. In deren Preissegment gibt es dann allerdings eine Reihe von Alternativen, wie unser Vergleich zeigt.

Thomas Pfleger

Himmelsregion um Gamma Cygni, TheSky 6.0.

Für eine vergrößerte Darstellung kann über das Kontextmenü/rechte Maustaste -> "Grafik speichern unter" die Grafik heruntergeladen werden.

Himmelsregion um M86, TheSky 6.0.