Warum das Rad neu erfinden?

 

Häufig hat man es mit Aufgabenstellungen zu tun, die anderen Programmierern seit Jahren ebenfalls begegnet sind. Weshalb sollte man das Rad neu erfinden, wenn andere Entwickler so freundlich waren, ihre Lösungen in Form von Programmcode ins Netz zu stellen?

Ganz gleich, ob man Bilder exportieren, Office-Dokumente erstellen oder leistungsfähige Grafikroutinen nutzen möchte – für viele wiederkehrende Aufgaben finden sich hervorragende Codebibliotheken, die einem erhebliche Arbeit abnehmen können. Auf der anderen Seite kann man mit den Codebibliotheken eigene Programme mit professioneller Funktionalität ausstatten und so mehr Attraktivität verleihen.

Codebibliotheken haben den Nachteil, daß man sich mit fremden Code auseinander setzen muß – eine Tätigkeit, die unter Programmierern weniger beliebt ist. Die Arbeitsersparnis ist jedoch immens: eine Eigenprogrammierung kann Wochen oder gar länger dauern. Außerdem sind fertige Lösungen aus dem Netz häufig ausgefeilter.

Beispiele:

  • Dislin ist eine Bibliothek zur graphischen Darstellung wissenschaftlicher Daten und beherrscht eine Vielzahl von Darstellungsmöglichkeiten: 2D- und 3D-Graphen, Balken- und Tortendiagramme, Vektorfelder, geographische Karten und einiges mehr. Diese Codebibliothek bietet viele Annehmlichkeiten: Legenden, Achsbeschriftungen, Skalierungen (linear/logarithmisch), Überlagerungen von Grafiken, uvm. Sie liegt unter C++ vor und kann unter www.dislin.de heruntergeladen werden
  • Zlib ist eine Library zum Erstellen und Auslesen von gepackten Zip-Dateien aus eigenen Anwendungen heraus. ZLib ist Open Source.
  • OpenGL ist eine leistungsfähige Grafikbibliothek für die 3-D-Darstellung von Objekten, die auch im professionellen Bereich Verwendung findet. OpenGL kümmert sich um das perspektivische Zeichnen ebenso wie um Verdeckungsrechnung und Schattenwürfe (Jupitermondereignisse!). Entwicklungsumgebungen sind häufig schon mit einer OpenGL-Anbindung ausgestattet. Ansonsten gibt es mit Mesa eine freie Implementierung der OpenGL-Bibliothek.

Abbildung: OpenGL ist eine sehr leistungsfähige Library für die graphische Darstellung von 3-D-Objekten. Die Funktionen dieser Library sind am Präfix gl erkennbar und können relativ einfach aus eigenen Programmen (hier: C++) heraus aufgerufen werden. Das Beispiel zeigt eine C++-Methode mit typischen Aufrufen von OpenGL zu Optionen der Perspektive.

  • Es ist ohne großen Aufwand möglich, aus eigenen Programmen auf Office-Funktionen zuzugreifen, z.B. zum Einlesen und Abspeichern von Daten in den gängigen Office-Formaten (Word, Excel). Dies basiert nicht auf Codebibliotheken, sondern man nutzt vielmehr den COM-Mechanismus aus.


Dies Auflistung ist nur ein Beispiel und soll dazu ermutigen, sich selbst auf die Suche nach Möglichkeiten zur Codewiederverwendung, sei es für PDF-Export, Mathematikroutinen oder FITS-Import, zu begeben.

Weitere Infos zu Codebibliotheken finden sich unter den Zirkularen der Fachgruppe.

 

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