Planetariumsprogramme im Vergleich

 

Sternkarten- oder Planetariumsprogramme gehören zum unverzichtbaren Handwerkszeug angehender und erfahrener Sternfreunde. Sie helfen bei der Erstellung von Aufsuchkarten und bei der Identifikation von beobachteten Himmelsobjekten. Neben dem praktischen Einsatz bei der Vorbereitung und Unterstützung von Beobachtungen bieten sie zusätzlich umfangreiche Möglichkeiten, das Geschehen am Himmel zu veranschaulichen. Damit wird ein Planetariumsprogramm zu einem wertvollen Lernmittel, das erfahrene Sternfreunde in der Öffentlichkeitsarbeit einsetzen können. Und wer hätte nicht auch einfach Spaß daran, mit solcher Software auf spielerische Weise virtuelle Raum- und Zeitreisen zu unternehmen, begrenzt nur durch die Fähigkeiten der Software und die Fantasie des Benutzers?

Die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten von Planetariumsprogrammen einerseits und die individuellen Wünsche und Vorstellungen der Sternfreunde andererseits machen eine generelle Empfehlung für eine bestimmte Software unmöglich. Dennoch wird die Frage nach dem „richtigen“ oder „besten“ Programm im Gespräch oder in Internetforen oft gestellt. Die FG Computerastronomie hat sich daher entschlossen, diesen thematischen Dauerbrenner aufzugreifen.


Vorgehensweise

Bei der Vielzahl verfügbarer Programme ist es unvermeidbar, eine Auswahl zu treffen. Schon für ein einzelnes Programm ist die Bewertung aufwändig. Wir mussten daher arbeitsteilig vorgehen: Teammitglieder konzentrierten sich jeweils auf ein Programm. Um wenigstens teilweise ein gemeinsames Verständnis und ein „Gefühl“ für die Ausprägung bestimmter Kriterien zu bekommen, haben wir anlässlich eines Fachgruppentreffens einige Programme gemeinsam bewertet. Leider konnten nicht alle Teammitglieder am Treffen teilnehmen, aber für ein Freizeitprojekt auf eigene Kosten ist der Einsatz der Teilnehmer wirklich respektabel. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die Nichtberücksichtigung von Programmen keine Qualitätsaussage oder Bewertung darstellt, sondern den beschränkten Ressourcen geschuldet ist. Wir hätten gerne weitere Programme in den Vergleich einbezogen, haben aber vermieden, uns nur unzureichend bekannte Programme zu bewerten.

Bei komplizierten Auswahlentscheidungen helfen sorgfältig recherchierte Listen von Merkmalen und Fähigkeiten der Produkte weiter, die man dann anhand der persönlichen Präferenzen bewerten kann. Häufig (etwa bei Autotests oder den Untersuchungen der Stiftung Warentest) geben die Autoren solcher Produktvergleiche nicht nur die erreichten Punktzahlen der einzelnen Bewertungskriterien an, sondern gewichten diese. Dieses Vorgehen wird als Nutzwertanalyse bezeichnet und ergibt eine Rangfolge der untersuchten Produkte.

Zu Beginn unseres Projekts haben wir zunächst einen umfangreichen Kriterienkatalog erarbeitet. Bei der Vielfalt der untersuchten Programme können gelegentlich einzelne Kriterien (wegen Fehlen der Funktionen) nicht bewertet werden. Besondere Funktionen und Fähigkeiten einzelner Programme lassen sich gelegentlich nicht treffend mit den Kriterien beschreiben. Daher ergänzt eine Beschreibung die Kriterienliste.

Das Bewertungsergebnis eines Kriteriums ist entweder eine Anzahl Sterne 0 (0 für unzutreffend oder nicht vorhanden, ansonsten maximal 5 Sterne) oder ein erläuternder Kurztext.

Wir haben auf eine Gewichtung der erreichten Punktzahlen und eine Rangfolge verzichtet. Den unterschiedlichen Benutzerrollen (wie Beobachter, Astrofotograf oder Lehrkraft) entsprechende Gewichtungen wären zu subjektiv. Wir wollten das Ergebnis nicht durch unsere persönlichen Erfahrungen oder Vorlieben beeinflussen, was durch Manipulation der Gewichtung möglich geworden wäre. Weiterhin haben wir auch nicht zwischen kostenlosen und kommerziellen Programmen unterschieden.


Bewertungskriterien

Nachfolgend werden die Bewertungskriterien beschrieben.

Ästhetik des Kartenbilds: dies ist sehr subjektiv. Um dem Leser ein eigenes Urteil zu ermöglichen, haben wir einheitliche Parameter (Bildausschnitt, Grenzgröße etc.) für die abgebildeten Screenshots festgelegt.

Aufsuchkartenmodus: einige Programme stellen mehrteilige Karten dar, die mit unterschiedlichem Maßstab und Grenzgröße die Orientierung erleichtern sollen.

Vektorgrafikexport: darunter versteht man eine Funktion zum Abspeichern der Karte in einem Dateiformat, das mit Vektorgrafikprogrammen wie Corel Draw manuell überarbeitet werden kann. Im Gegensatz zum Export von Bitmaps geht dabei keine Bildinformation oder Auflösung verloren.

Objektinformationen: viele Programme überfluten den Anwender mit einer Fülle von für den Anwendungsfall oft irrelevanten Daten. Daher ist eine Konfigurierbarkeit der Objektinformationen wichtig, um gezielt auswählen zu können, welche Daten angezeigt werden sollen. Die Exportmöglichkeiten von Daten sind v.a. für diejenigen Anwender interessant, die mehrere Programme benutzen und mit diesen gemeinsam eine Aufgabe lösen möchten. Die Export- und Importfunktionen werden damit zum Dreh- und Angelpunkt fortgeschrittener Systemlösungen.

Kataloge: traditionell werden Objektdaten in Katalogen zusammengefasst, z.B. dem NGC oder IC. Die meisten Programme organisieren ihren Datenhaushalt anhand von Katalogen: man wählt für die Kartendarstellung die gewünschten Kataloge aus. Diese Vorgehensweise ist intuitiv, hat aber Nachteile. Manchmal weiß man nicht, in welchem Katalog ein gesuchtes Objekt enthalten ist. Oft müssen mehrere Kataloge für die Anzeige ausgewählt werden, damit bestimmte Objekte auf der Karte erscheinen. In diesem Fall aber werden mehrfach in unterschiedlichen Katalogen enthaltene Objekte i.d.R. nicht als ein und dasselbe Objekt erkannt.

Wegen solcher Redundanzen und kleinen Datenunterschieden bei Position, Größe oder Positionswinkel kommt es zu mehrdeutigen Kartensymbolen mit oft unleserlicher Beschriftung. Gerade in dicht mit Objekten besetzten Himmelsarealen (Galaxiengruppen oder –haufen, Milchstraßenfelder) kann das „Katalogproblem“ über den Praxisnutzen der Karten entscheiden. Die Lösung ist ein konsolidierter Katalog mit sauber erfasster Identität der Objekte. Dadurch werden mehrfache Symbole weitgehend vermieden. Die Softwarehersteller scheuen aus Aufwandsgründen oft die Erstellung eines konsolidierten Katalogs.
Weiterhin stellt sich die Frage nach der Datenqualität. Tests können hier wegen des riesigen Datenvolumens nur stichprobenhaft sein. Wir haben Wolfgang Steinicke als anerkannten Experten für Deep Sky Kataloge gebeten, einige Testfälle zu nennen, die allerdings nur Anhaltspunkte für die Datenqualität sein können.

Genauigkeit der Ephemeriden: auch hier mussten wir unsere Untersuchung auf repräsentativ ausgewählte Beispiele konzentrieren. Dazu wurden himmelsmechanische Situationen gewählt, bei denen Ungenauigkeiten in der Berechnung deutlich auf das erzielte Ergebnis durchschlagen. Dazu haben wir eine streifende (und tatsächlich von uns beobachtete) Sternbedeckung herangezogen, die Ephemeride des erdnah vorbeiziehenden Kleinplaneten 2006 VV 2 betrachtet und eine interessante Konstellation der Jupitermonde.

Animation: diese Funktion ist für den Einsatz der Software als Lehrmittel wichtig. Werden Bewegungsabläufe am Himmel im Zeitraffer dargestellt, wünscht man sich eine flüssige, ruckelfreie Darstellung mit konstantem Zeitraffungsfaktor. Leider arbeiten einige Programme so, dass der Rechenaufwand für die Einzelbilder die Geschwindigkeit bestimmt. Die Animation läuft dann in Abhängigkeit von der Anzahl darzustellender Objekte unterschiedlich schnell. Typisch ist hier eine hohe Geschwindigkeit am Tag und eine Verlangsamung, wenn nach Einbruch der Dunkelheit die Sterne erscheinen. Legt man auf Realitätsnähe Wert, ist das unschön. Wir haben deshalb angegeben, ob die Animation gleichmäßig (realer Takt) abläuft oder nicht (virtueller Takt).

Nachtmodus: will man ein Programm nachts am Teleskop verwenden, dann soll die Bildschirmdarstellung die Dunkeladaption des Auges nicht beeinträchtigen. Viele Programme bieten dazu einen „Nachtmodus“ an, bei dem die Darstellung überwiegend in Rottönen erfolgt. Neben dem Farbwechsel ist aber auch von Bedeutung, wie viele „helle“ Bedienungselemente oder Bildbestandteile verbleiben (z.B. Schaltflächen, Hilfetexte oder Symbolleisten). Wir sind davon ausgegangen, dass man zusätzlich zum Nachtmodus des Programms noch einen dunkelroten Bildschirmfilter verwendet und haben dann die Wirksamkeit des Nachtmodus bewertet.

Objektlisten zur Beobachtungsplanung: vielen Kartenprogrammen fehlen Funktionen zur Vorbereitung und Planung von Beobachtungen. Spezielle Programme füllen diese Lücke. Die Ergänzung eines Kartenprogramms mit einer Planungssoftware ist zu empfehlen. Dann stellt sich jedoch die Frage, ob und wie ein Kartenprogramm mit den Objektlisten aus einer Planungssoftware arbeiten kann.

Einige der betrachteten Kartenprogramme bieten selbstdefinierte Objektlisten an: eine solche Liste präsentiert die geplanten Objekte in übersichtlicher Form und erlaubt das Zentrieren der Karte oder das Positionieren des Teleskops auf ein ausgewähltes Objekt. Gelegentlich existiert hier eine Importfunktion für extern erstellte Dateien. Für Einzelheiten sei hier auf die Dokumentation der betreffenden Programme verwiesen.

Integrationsmöglichkeiten: auch sehr leistungsfähige Programme können nicht „alles“, weshalb es nützlich ist, wenn ein Programm ein Zusammenwirken mit vorhandener (z.B. auf Funktionen wie Kamerasteuerung und Bildaufnahme spezialisierter) Software ermöglicht. Fortgeschrittene Sternfreunde möchten vielleicht ihre Privatsternwarte automatisieren oder sogar fernsteuern. In solchen Fällen sind die Integrationsfähigkeiten der Software entscheidend. Wir können mangels eigener Erfahrung keine Empfehlungen zur Eignung bestimmter Software für solche „großen“ Automationslösungen geben. Der Anbieterkreis solcher Komplettpakete zur Sternwartenautomation ist jedoch sehr überschaubar. Seriöse Anbieter sollten in der Lage sein, dem Interessenten Referenzen zu nennen.

Benutzerfreundlichkeit: dieser Aspekt ist von persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten geprägt und daher (wie auch die Ästhetik des Kartenbilds) sehr subjektiv. Dennoch haben wir versucht, einige Kriterien zu definieren und zu bewerten, die aus unserer Erfahrung heraus zu einer guten Akzeptanz durch die Benutzer führen. Man möchte beim Arbeiten mit dem Programm vor allem im Nachteinsatz möglichst wenig herumklicken, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Dazu gehört auch die einfache, intuitive Auffindbarkeit von Einstellungsmöglichkeiten, die die Kartendarstellung beeinflussen. Die Benennung von Menübefehlen und die Bedeutung von Symbolen (Icons) sollte intuitiv verständlich sein. Programmfunktionen sollten stets auch über Menüeinträge aufrufbar sein und nicht nur über möglicherweise ausgeblendete Symbolleisten. Weil man im Nachteinsatz gerne auf eine Beleuchtung der Tastatur verzichten möchte, kommt den Möglichkeiten der Maus zur Bedienung des Programms entscheidende Bedeutung zu. Alleine mit der Maus sollte es im Idealfall möglich sein, Kartenausschnitte festzulegen und die Karten zu verschieben, zu skalieren und auch zu drehen.

Konfiguration: wegen der individuellen Vorlieben bei der Programmbedienung haben wir die Möglichkeit zur Konfiguration als Kriterium aufgenommen. Manche Programme bieten die Möglichkeit, Programmfunktionen sehr flexibel auf vom Anwender einstellbare Tasten (oder Tastenkombinationen) bzw. Mausfunktionen zu legen.

Preisverhältnis bei Upgrades: hier haben wir denjenigen Anteil des Preises angegeben, den ein Lizenzinhaber mit einer älteren Version gegenüber einem Neukunden bezahlen muss. Dieses Verhältnis gibt darüber Auskunft, wie sehr der Hersteller die Kundentreue honoriert.

Ressourcenbedarf: der Speicherplatzbedarf auf der Festplatte hängt oft vom Installationsumfang (Kataloge, Bilder) des Programms ab. Um Vergleichbarkeit zu erreichen, sind wir hier jeweils von einer vollständigen Installation ausgegangen. Weiterhin ist es interessant, ob ein Programm auch auf einem betagten Rechner vernünftig läuft, den man der Astronomie gewidmet, aber ansonsten abgeschrieben hat.

Thomas Pfleger

Detailbeschreibungen der Programme

Auf einige Besonderheiten wird in den Textabschnitten zu den jeweiligen Programmen eingegangen.

Guide 8.0

Cartes du Ciel

Starry Night Pro 6.2.3

The Sky 6.0

Sky Map Pro 10 (nur Beispielgrafiken)

Tabellarische Übersicht

Im folgenden werden die beteiligten Programme tabellarisch bezüglich der oben genannten Kriterien verglichen.

Für eine vergrößerte Darstellung kann über das Kontextmenü/rechte Maustaste -> "Grafik speichern unter" die Grafik heruntergeladen werden.