Astrofotografie mit einfachem Equipment

von Silvia Kowolik

Mit Hilfe einer Webcam, einem Teleskop mit elektrischer Nachführung und dem Programm Guide können Amateure die Planeten sowie Sonne und Mond selber fotografieren. Das geht bereits ab 4" Öffnung und 1 Meter Brennweite. Mit einer "Russentonne" auf einer GP Montierung mit Schrittmotoren sowie einem 500 mm Cometcatcher + 2x Barlowlinse wurden mit der Webcam PCVC 740 Pro (ToU-Cam) von Philips die folgenden Bilder gemacht:

Jupiter mit 500 mm Cometcatcher und 2x Barlowlinse
Venus mit 500 mm Cometcatcher und 2x Barlowlinse
Saturn mit 500 mm Cometcatcher und 2x Barlowlinse
Sonnenfleck mit 500 mm Cometcatcher, Sonnenfilter: Baaderfolie
Mond mit 500 mm Cometcatcher und 3x Barlowlinse
Mars mit Russentonne und 3x Barlow-Linse

Die Vorgehensweise ist denkbar einfach - man stellt das Teleskop auf, nordet sorgfältig ein, stellt das gewünschte Objekt mit einem kurzbrennweitigen Okular in die Bildmitte des Gesichtsfeldes und tauscht dann das Okular gegen die Webcam aus.

Neben der Webcam benötigt man jetzt nur noch einen 1 1/4 Zoll Adapter, der an Stelle der Originaloptik an die Webcam geschraubt wird, einen PC mit USB-Port und das Programm Giotto. Giotto ist Freeware und steht hier zum Download bereit.

Webcam mit Originaloptik (gelb) und 1 1/4 Zoll Adapter (schwarz).
Da Linsenteleskope für infrarotes Licht nicht korrigiert sind, empfiehlt sich die Verwendung eines IR-Sperrfilters. Es kommt zwischen den Webcamadapter und die Barlowlinse oder das Teleskop.

Hat man beim Austauschen des Okulars gegen die Webcam die Ausrichtung des Teleskops nicht verändert, so müsste jetzt ein verwaschenes Objekt auf dem Bildschirm des PCs zu sehen sein. Die Schärfe regelt man am Okularauszug, den Farbabgleich und die Helligkeit direkt über das Programm Giotto.

Je nach Brennweite erscheinen die Planeten unterschiedlich groß. Will man größere Durchmesser erzielen, so kann man über Okularprojektion oder mit Barlowlinsen die Brennweite verlängern. Dabei wird aber die Helligkeit reduziert. Hohe Brennweiten erfordern also lichtstarke Teleskope. Mit 7 Zoll kann man bereits bis zu 5 Meter Brennweite gehen, mit 12 Zoll geht auch 9 Meter. Dann sind die Planeten formatfüllend auf dem Bildschirm.

Ist der Planet scharf eingestellt und Helligkeit und Farbwiedergabe stimmen, so nimmt man ca. 1000 bis 2000 Bilder in schneller Folge auf und speichert sie auf der Festplatte des PCs. Nach der Aufnahme wird durch das Programm Giotto ein Summenbild berechnet, die Anzahl der zu verwendenden Bilder kann man hier frei wählen. Das Summenbild wird im Kontrastumfang bearbeitet, dann wird das Bild über verschiedene Filter geschärft und zum Abschluss noch die Farbe optimiert.

einzelnes Rohbild, stark verrauscht
Summenbild, rauschfrei aber leicht unscharf
fertig bearbeitetes Bild

Mit der Webcam und einem 200 mm Teleobjektiv kann man auch den Mond oder die Sonne formatfüllend ablichten. Das bietet sich bei Sonnenfinsternissen oder Mondfinsternissen an. Macht man im Abstand von mehreren Minuten Bilderserien, so kann man sie zu Trickfilmen zusammensetzen.

Trickfilm Mondfinsternis
mit 200 mm Teleobjektiv (ca. 430 kB):

Trickfilm Sonnenuntergang
Okularprojektion (ca. 800 kB):

Trickfilm Planetenrotation
mit 4800 mm Brennweite (ca. 160 kB):